Writing Code and Other Prose

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Du 2.0

Kathy Sierra hat wieder einmal einen exzellenten Artikel (“Creating Passionate Users: You 2.0”) über das Lernen verfasst. Quint Essenz des Ganzen: Es ist nie zu spät, etwas Neues zu lernen und jeder Mensch kann auch im Alter noch zu einem Experten für so gut wie alles werden. Die Neurowissenschaften hatten unrecht und so lernen Kinder zwar bestimmte Dinge schneller und leichter, aber es gibt keinen Moment ab dem das menschliche Gehirn statisch bleibt.

Mein Lieblingszitat ist das einer hundertjährigen Dame, die in einem Interview mit der Zeitschrift “The New Brain” auf die Frage “Was bereuen Sie in Ihrem Leben?” folgendes sagte: “Wenn ich gewusst hätte, dass ich 100 Jahre alt werde, dann hätte ich mit 60 angefangen, Geige zu spielen und würde das nun schon seit 40 Jahren tun.”.

Comment by Anonymous on 2005-08-29 08:40:57:

Zu diesem Thema passt das Buch von Frank Schirrmacher: Das Methusalem-Komplott. Ein etwas reißerischer Titel - das Buch selbst ist aber sehr ernst zu nehmen und unbedingt empfehlenswert. Nachdem Schirrmacher die demographische Katastrophe mit ihren Auswirkungen geschildert hat, zeigt er Auswege auf: Niemand sollte sich dem schleichenden “Ageism” beugen, der darin besteht, den Leuten einzureden, dass sie im “Alter” (womit hier meistens schon mehr als 40 Jahre gemeint sind) geistig nicht mehr leistungsfähig seien.

Till

Comment by Christian on 2005-08-29 12:52:51:

Allem Wohlwollen und Optimismus entgegen sollte man festhalten, dass dies durchaus der Fall aber kaum die Regel sein dürfte.

Im täglichen Leben widerfährt es zumindest mir persönlich doch häufig bis regelmäßig, dass ich auf ältere Menschen treffe, denen genau dies abgeht.

Auch stelle ich immer wieder fest, dass ältere Menschen teilweise erhebliche Probleme haben, komplexere Situation zu begreifen und eigentlich streng logische Dinge zu lernen (wie z.B. den Umgang mit Rechnern oder dem Internet). Sicherlich wird jeder von uns bis an sein Lebensende dazulernen, nur besagt meine Erfahrung, dass die Lerngeschwindigkeit und auch die eigene Wissbegier mit höherem Alter stark abnimmt.

Weiterhin stelle ich immer wieder fest, dass die Leistungsfähigkeit im Alter ebenfalls stark nach lässt. Habe ich in jungen Jahren noch nächtelang vor dem Rechner gesessen, geschieht dies heute weit weniger. Und dies durchaus nicht aus mangelndem Interesse, sondern oft aus Gründen geistiger Erschöpfung.

Meine Erfahrungen sind natürlich nicht repräsentativ, wobei es ebenso fraglich ist, ob dies in der erwähnten Literatur der Fall ist. Selbst umfangreichste und genaue wissenschaftliche Studien sind nachträglich schon oft revidiert worden.

Christian

Comment by Martin on 2006-05-28 12:17:46:

Ich für meinen Teil glaube, das Lernfähigkeit eine gute Mischung aus Interesse und Notwendigkeit ist. Zusammen mit der Fähigkeit an schon gewonnenen Erkenntnissen rütteln zu dürfen halte ich lernen bis 100 Jahre und darüber hinaus für genauso möglich wie davor.

Das Problem ist das ‘Rütteln an den eigenen Erkenntnissen’. Wer will sich denn mit 60 hinsetzen und Computer noch einmal von einer ganz anderen Sichtweise sehen? Das sind keine riesigen Röhrenschränke mehr und was da drinnen passiert ist noch viel komplizierter geworden. Mann muss verstehen, das einen die alten Röhren und Lochkartenrechner davon abbringen können sich mit Siliziumrechnern überhaupt zu beschäftigen. Und vor allem (wie es so modern ist) den ganzen Hardwareaspekt wegzulassen.

Auch in jungen Jahren ist es nicht besonders gesund Nächtelang vor dem Computer zu verbringen, bloss im Alter merkt man das schneller bzw. man brauch immer mehr Energie um die Erschöpfung zu unterdrücken.

Also ich kann mit meinen zarten 26 Jahren sehr gut nachvollziehen, das man sich als Senior die Frage stellt ‘Brauche ich das mit den Computern noch?’ und damit das Interesse versiegt.

Aber da ist auch noch etwas anderes. Jeder kennt die Lehrer, die einem etwas beibringen wollen/sollen/dürfen das sie schon verstanden haben. Der Generationenkonflikt wenn die Kinder den Eltern frustriert den Doppelklick beibringt kann ganz schön eklig werden. Die Kinder empfinden es trotz allem ‘Ohhh man’ gestöhne als ein Hochgefühl den Eltern mal was beibringen zu können … sind aber frustriert dadurch, das sie ‘die einfachsten Dinge’ nicht zu kapieren scheinen. Dem gegenüber stehen die Eltern, die sich warscheinlich so etwas wie ‘wenn ich nicht absolut gemusst hätte hätte ich nicht gefragt’ denken. Die Angst das das Kind merkt wo die Grenzen der Eltern sind plus das stark vermittelte Gefühl ganz schön dumm zu sein stelle ich mir auch nicht schön vor.

Wenn man ehrlich ist, dann hat das Kind den Computer genausowenig verstanden wie die Eltern. Denn die physikalischen Vorgänge in Computern kennt kaum ein Computerexperte. Man hat sich nur mit bestimmten Gesetzmäßigkeiten angefreundet und die älteren Semester stellen genau diese merkwürdigen Fragen, die dem ‘Fachmann’ deswegen sehr dumm vorkommen, weil es seine Wissenslücken sind die er sich beim Computerstudium erlaubt hat.

Also lernen im Alter ja, aber nur mit modernen, möglichst nicht unnötig frustrierenden sondern humanen Lernkonzepten.


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